Vivarium (auf Netflix verfügbar)
Nachdem ich bei imdb die Bewertungen las: Die Hälfte der User schrieben, dass es Müll sei und die andere Hälfte, dass es ein brillanter Film ist, dachte ich mir: Den muss ich sehen! Gestern Abend gesehen und bin immer noch geflasht.
Ich fand ihn ausgezeichnet! Bin am Überlegen, ob ich eines von den YT Videos ansehe, die den Film erklären. Aber vielleicht ist das gar nicht gut

Er beschäftigt mich jedenfalls immer noch. Der Film hat ein paar Horror-Elemente, ist aber kein Horror Film per se. Auf jeden Fall ist es mMn eine Kritik an Konformität und Vorbestimmtheit im Leben.
@Spanish_Prisoner Guck den doch bitte mal! Dann können wir drüber diskutieren!

Andere natürlich auch. Wobei das eher kein Film für den gemeinen Blaster User ist.. glaube ich
Vivarium (2019) von Lorcan Finnegan mit Jesse Eisenberg und Imogen Poots
Ohne viel Vorwissen (Trailer mal vor ein paar Jahren gesehen) und somit Ahnungslos in den Film rein, war ich von Anfang an in die Story/Situation mitreingezogen.
Schnell ist klar, dass es sich hierbei um eine Art von Parabel handeln muss, was mir auch sehr gefällt. Die Horror-Elemente sind sehr gelungen und ich war stehts alarmiert. Schauspieler gut, Setup gut, Design, Stimmung, Kamera etc alles gut. Ich möchte die ersten 30 Minuten als Meisterhaft einstufen. Besser geht's fast nicht.
Jetzt kommt das Problem. Der Regisseur und Autor Lorcan Finnegan beschäftigt uns mit einer Parabel... und mehr nicht. Für einen Kurzfilm von ca. 50 Minuten Länge wäre das genial. Aber wir haben hier einen richtigen Spielfilm - da muss mehr her. Zumindest hätte die Zeit gereicht, mehr aus dieser Story herausholen zu können.
Ab der 30. Minute macht der Regisseur Finnegan eine Entscheidung: Die Box mit dem Baby erscheint und darauf steht: "Raise the Child and you will be releaved". Das sehen wir als Zuschauer sehr deutlich.
Von hier aus kann es ja nur in zwei Richtungen gehen. Entweder die beiden ziehen das Kind gut und bewusst auf, oder nicht. Würden die Eltern das Kind gut aufziehen, wäre das keine Parabel und der Film wäre gleich fertig. Da wir von einer Parabel sprechen, müssen die beiden Hauptcharaktere ja schlechte Eltern sein und kommen mit dem Kind nicht klar. Da hätte der Film meiner Meinung nach schon vor 60 Minuten fertig sein sollen und wir lernen was daraus.
Aber ein Spielfilm geht länger. Logische Konsequenz ist: Die Eltern machen am Anfang alles falsch und das Kind ist einfach der Horror. Aber mit der Zeit lernen die beiden als Eltern langsam wie mit einem Kind umzugehen ist. Was für eine andere Wahl haben sie denn? Entweder sind sie nachlässig, wütend und unbeholfen, oder sie reissen sich zusammen und machen das Richtige. Das hätte die letzten 30 Minuten etwas mehr "Hoffnung" und "Schub" gegeben. Ob sie es geschafft hätten, sei dahergestellt.
Statt nur eine Parabel ohne Erkentnisse, wäre der Film mehr in eine Erzählung rein. Eine Erzählung macht mehr als nur Zeigefinger heben und deuten (was für mich eine Parabel tut), sondern zeigt auch die grausame Realität.
Schade um das Potential, wie sehr oft.
6 von 10 Punkte. (die ersten 30 Minuten haben 8 von 10 verdient)