Was genau macht denn das Spiel nun gut oder schlecht? Es hat auf alle Fälle einen gewissen Realismus und Bezüge zum echten Leben. Was ich noch immer bewundere sind die NPCs, die ihrem Tagwerk nachgehen. In seinem eigenen Mikrokosmos ist "Shenmue" einfach wunderbar gemacht und die Story ist spannend genug, um einen bei Laune zu halten. Und es ist entschleunigt. Das mag im hektischen 2019 nicht mehr zeitgemäß sein, vielleicht war es das schon 1999/2000 nicht. Aber das macht die Besonderheit des Titels aus. Einfach mal die Uhr vorstellen ist nicht, man hat wie im echten Leben zu warten und sich mit anderen Dingen in der Spielewelt zu beschäftigen.
Darf mir ein Spiel so meine Zeit rauben? Sagen wir es so: Im Alter von 16/17 hatte ich einfach mehr davon. Mehr Zeit. Und nicht das Gefühl, ständig überall präsent sein zu müssen. Heute bietet mir "Shenmue" eine gewisse Art der Entspannung. Das Gameplay erlaubt es mir, mir Zeit zu lassen, obwohl es mir gleichzeitig selbige raubt. Paradox.
Im Grunde genommen spiele ich es ganz gerne noch einmal und verbringe bewusst meine Zeit damit. Natürlich nicht ohne den ein oder anderen wohligen Nostalgieschauer der Jahrtausendwende - als die Kringelkonsole noch aktuell war, RTL 2 nicht nur Schrott sendete und "TV Total" noch gut war. Viva gabs auch noch.
Ich denke, viele moderne Spiele hätten ohne "Shenmue" anders ausgesehen. Für den dritten Teil wünsch ich mir trotzdem weniger Warterei.