Eindruecke TEIL I
Nach ca.10 Stunden Spielzeit und 45% Missions Fortschritt will ich zwar noch keinen abschliessendes Urteil zu The Saboteur abgeben, denke aber genug gesehen zu haben um mir ein relativ gutes Bild machen zu koennen. Alle Aussagen beziehen sich auf die UK Version mit DLC.
Story
Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Sean Devlin, der Protagonist des Spieles ist stocksauer. Sein bester Freund wurde durch einen hohen Nazi Offiizier ruecksichtslos ermordet. Sean selber, sein vaeterlicher Freund und natuerlich auch die Schwester des Ermordeten, koennen den Haeschern entkommen und landen in den Wirrungen des Krieges im besetzen Paris. In seinem neuen Hauptquartier, dem *Hust* Variete Club "La Belle" sinniert unser Held, direkt entsprungen aus dem irischen Fach des Schubladendenkens, ueber das Geschehene und ertraenkt seine Trauer in Whiskey. Selbstredend dauert es nicht allzulange bis er von einem Mann der franzoesischen Widerstandsbewegung angesprochen wird. Angetrieben von Rachegeluesten und seinem Hass auf die Nazis, nimmt Sean widerwillig das Angebot des Fremden an. Es entwickelt sich eine Story, die im Laufe der Zeit so ziemlich alles beinhaltet, was einem zu den Stichworten "Mord", "Nazis", "Sprengstoff", "Liebe" und "Vater" einfaellt: Ultraboese Nazis, Frauen, Geheimagenten, irischem Hass auf alles Britische, gewaltige Explosionen, Frauen, Verrat, Verfolgungsjagden, Frauen, Eifersucht, Repressionen, Mitstreiter. Habe ich schon Frauen erwaehnt? Es wird so ziemlich jedes Klischee bedient dessen man habhaft werden konnte. Die Handlung selber wirkt dadurch etwas unrund, teilweise arg konstruiert und nicht wirklich zu Ende gedacht. Weiterhin stoerend ist die teilweise arge Diskrepanz zwischen todernst und Flapsigkeit. Nichtsdestotrotz moechte ich definitv wissen wie es mit unserem irischen Freund weitergeht.
Grafik
Der eigentlich Star des Spieles ist die franzoesische Hauptstadt. Hier bediente sich das Art Department von Pandemic einem wirklich gelungenen Trick. Passend sowohl zur der Zeit der Handlung wie auch zum Setting, ist Paris zunaechst fast komplett in schwarzweiss gehalten. Die einzige Farbe ist das Rot der Hakenkreuzflaggen und der Propagandaposter, die an jeder Hausecke rumhaengen. Mit fortschreitender Handlung, ausgeloest durch das Erfuellen von Missionen, wird jedoch Stadteil um Stadteil eingefaerbt. Das Leben kehrt so langsam zurueck. Ironischerweise finde ich persoenlich jedoch die farblos Variante irgendwie huebscher und stimmungsvoller. Egal. Die Stadt selber ist wirklich mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Taubenschwaerme, kleine Gassen mit Waescheleinen, schoene Hinterhoefe oder Dachterassen. Alles optisch unterbrochen durch die Besatzer und ihre Instrumente der Repression: Wachtuerme, Lautsprecher, Flakscheinwerfer, Stacheldraht oder Panzer. Passanten werden auf der Strasse von Nazis zusammengeschlagen oder gleich hingerichtet. Es wird wirklich ein recht lebendiges Bild gezeichnet. So koennte es im Vichy Paris wirklich zugegangen sein.
Im Laufe der Handlung lernt man durch diverse Ueberlandtrips auch noch andere Staedte wie zB Le Havre oder Saarbruecken kennen. Auch die sind recht huebsch gemacht koennen aber, aehnlich wie die Landschaftsgrafik , nicht mit der optischen Qualitaet von Paris mithalten. Aehnlich verhaelt es sich mit den gerendeten Zwischensequenzen, die hier und da zur Weiterentwicklung der Story eingestreut sind. Die sind einfach zu huebsch. Man wuenscht sich immer, dass das eigentliche Spiel doch bitte auch so aussehen moege. Auch wirkt hier das Zusammenspiel etwas unrund und nicht zu Ende gebracht. Nicht falsch verstehen. Das Spiel ist nicht haesslich. Ueberhaupt nicht. Ich werde jedoch das Gefuehl nicht los, das man haette mehr machen koennen.
Gleiches gilt fuer die Technik. Sowohl zum Teil uebles Mipmapping und gelegentliches Tearing sprechen nicht fuer die Engine. Dazu kommen noch Schlampereien wie der von hohen Gebaeuden aus sichtbare Enviroment Blob wie auch die Moeglichkeit selbigen wirklich erreichen zu koennen. Ein wenig mehr Liebe haette hier nicht geschadet.
Sound
Mal Hui. Mal Pfui. Und zwar in beiden Richtung ins Extreme. Generell ist die Soundkulisse sensationell. Umweltgeraeusche, meckernde Franzosen, zum Teil urkomische Propaganda Durchsagen aus den ueberall rumstehenden Lautsprechern. Sehr gute Sprecher der Hauptfiguren. Dazu noch die wunderschoen, jazzige Barmusik, die sowohl im "La Belle" wie auch im Autoradio zu hoeren ist. Alles in allem eine glatte 8 von 10. Die Kehrseite der Medaille sind die fehlenden 2 Punkte. Die sind den unfreiwillig komischen Sprechern einiger Nazis geschuldet. So ist ein Grossteil des gemeinen Wehrmachtsfussvolkes ohne Untertitel nicht zu verstehen. Obwohl sie Deutsch sprechen. Angeblich. Wahlweise sprechen die mit so einem brutal osteuropaeischen Akzent oder aber ein englischer Muttersprachler verhaspelt sich wiederholt in den Wirrungen der deutschen Aussprache. Dass es auch anders geht, zeigen die Sprachfetzen anderer 0815 Nazis. Wie auch bei der Grafik scheint man hier das Spiel nicht ganz so zuende gebracht zu haben, wie man es (hoffentlich) wollte.