"The Town of Light" (ONE)
Der technisch allenfalls zweckdienliche Indietitel beginnt als sehr gemächlicher Walkingsimulator. Eine Frau, die Ende der 1930er Jahre Patientin in einer italienischen Psychiatrie war, besucht viele Jahre später die Ruinen dieses alten Gebäudes. Erinnerungen kommen langsam in ihr hoch und mehr und mehr erschließt sich dem Spieler nicht nur die Anstalt, sondern auch die Psyche von Renée. Je mehr es dem Ende zuging, umso öfter saß ich mit offenem Mund da - allein aufgrund der teils drastischen Szenen, die sich dem Spieler bieten. Die Entwickler von LKA überlassen dabei viel dem eigenen Gedankenspiel des Spielers und lassen ihn die besagte Hölle in Ego-Perspektive miterleben. Je nach Vorgehensweise offenbaren sich innerhalb der 15 Kapitel auch unterschiedliche Wege. In etwa drei Spielstunden sah ich den Abspann.
Da ich bekanntlich selbst an Depressionen erkrankt bin, war ich auf die Darstellungsweise sehr gespannt. "The Town of Light" geht weit darüber hinaus und bietet so eine sehr interessante Spieleerfahrung, sofern man bereit ist, sich auch gedanklich auf das Spiel einzulassen. Es hinterlässt mich mit einigen Fragen nach richtigem und falschem Handeln. Ankreiden muss ich dem Spiel die sehr schwache Technik mit Ruckelgrafik und verspätetem Grafikaufbau bei absolut simplem Design und einigen sehr langweiligen Passagen. Loben muss ich die Herangehensweise an das Spiel und wie es die Entwickler nun schaffen, mich gedankengeschwängert in die Nacht zu entlassen.
"The Town of Light" ist langweilig, teils schwere Kost, zugleich aber eine interessante Erfahrung. Allerdings nimmt das Spiel erst kurz vor Ende die nötige Fahrt auf. Ungeduldige Spieler schalten wohl früher ab.