Lunar: Silver Star Story (Remastered Collection / Switch 2)
Als ich zu Beginn der 90er Berichte über das JRPG mit Animesequenzen sah, fielen mir fast die Augen aus. Nie hätte ich gedacht, dass es einmal Spiele mit solchen Sequenzen geben würde. Die US-Fassung von Working Designs schien etwas ganz Besonderes zu sein und das nicht nur, weil man sich mit der Verpackung in Form einer Special Edition besondere Mühe gegeben hatte. "Lunar" umgab eine märchenhafte Aura. Diese Welt hätte ich damals schon gerne erkundet. Da das Spiel seinerzeit aber nicht in Europa erscheinen sollte und ich auch keinen Mega Drive mit Mega CD besaß, hakte ich es ab, "Lunar" jemals spielen zu können. Spätere Versionen für PC und Playstation hatte ich nicht auf dem Schirm. Entsprechend erfreut war ich, als die Remastered Collection für aktuelle Plattformen angekündigt wurde.
Das Spiel versprüht den JRPG-Charme der frühen 90er. Was ich damals von Games wie "Zelda: A Link to the Past" und später "Mystic Quest Legend" auf dem SNES kannte, findet in "Lunar: Silver Star Story" eine Art Vollendung, denn die Welt ist so märchenhaft dargestellt, wie ich es mir immer vorgestellt hatte: Umgebung, Gegner, Musik - alles passend, bunt und abwechslungsreich. Die Zeichentricksequenzen fügen sich dabei gut in das Spiel hinein. Die schön geschriebene, aber lineare Story um den jungen Drachenmeister Alex und seine Freunde, hat ein paar nette Überraschungen und Twists parat und überzeugt mit toll ausgearbeiteten Charakteren. Die Oberwelt verschenkt etwas Potenzial, denn im Grunde geht es immer nur von Ort zu Ort. Hier besucht man mehrere verschiedene Städte, von denen jede ihren eigenen Charme versprüht und Eigenheiten aufweist.
Die Remastered-Collection wartet im Vergleich zum Original mit ein paar angenehmen Neuerungen auf. So kann man beispielsweise die traditionellen, rundenbasierten Kämpfe automatisch ablaufen lassen (was nicht bedeutet, dass man sie auch gewinnt) und die Spieleschwindigkeit erhöhen, sodass man nicht dem behäbigen Treiben der Figuren auf dem Bildschirm zuschauen muss. Erstmals gibt es für das Spiel eine deutsche Übersetzung, die jedoch einige Rechtschreibfehler aufweist. Nach jedem Kampf durfte ich lesen: "Alex' Gruppe hat den Kampf gewonne". Vielleicht erbarmen sich die Entwickler und patchen das fehlende "n" am Ende irgendwann noch nach.
Ab und zu hab ich mal etwas gegrindet, an sich kommt man recht gut durch. Die Bosse können die ein oder andere echte Hürde darstellen. Insgesamt waren alle machbar, sodass ich das Spiel nun nach 21,5 Stunden beendet habe. Wer den Charme alter 16-Bit-JRPGs zu schätzen weiß, holt sich die "Remastered Collection", die zudem den zweiten Teil beinhaltet und lässt sich etwas in diese Welt entführen. Mir hats Spaß gemacht.