und zum Abschluß noch ein Vergleich des Weserkuriers
nsere Zeitung unternimmt im Folgenden den Versuch, die Rivalen miteinander zu vergleichen.
TRAINER
Werder-Trainer Thomas Schaaf wird Otto Rehhagel immer ähnlicher. Nicht äußerlich, denn Rehhagel trug keinen Bart. Außerdem kann man Werders Spielweise jetzt nicht als kontrollierte Offensive durchgehen lassen. Aber Schaaf ist eine Bremer Institution geworden. Zehn Jahre schon Chef, schon drei große Titel geholt, und wie Rehhagel (14 Jahre Chef) könnte er in dem Jahr, in dem seine Mannschaft die enttäuschendste Saison seiner Amtszeit spielt, den Europapokal holen. Schaaf ist das Gegenteil eines Showmans, und betreut doch die deutsche Mannschaft, die in den letzten Jahren am häufigsten von allen eine Show lieferte. HSV-Trainer Martin Jol (rechts) sagt: ?Ich bin wie ein Krokodil. Das ist ein gefährliches Tier, aber wenn man es in Ruhe lässt, muss keiner Angst haben.? Zubeißen musste er noch nicht, sein Team hat Erfolg. Und das, obwohl es nicht einmal richtig eingespielt ist. Erst gingen Kompany, van der Vaart und de Jong, dann verletzte sich viele Spieler. Jol muss umbauen und steht oben ? das spricht für ihn. Er ist sehr flexibel, ?findet immer die richtige Lösung?, sagt Collin Benjamin. Seine Spieler vertrauen ihm. Jol ist dazu noch sehr direkt: ?Wenn die Bremer sagen: Ihr gewinnt den DFB-Pokal, würde ich einschlagen. Dann würde ich sogar den UEFA-Cup sausen lassen.?
MANAGER
Klaus Allofs und Dietmar Beiersdorfer können Titel vorweisen. Zum Beispiel holten sie 1993 die Deutsche Meisterschaft, als sie beide in Bremen spielten. Als Manager errang bislang nur Allofs Titel. Seine Managerkarriere würde für einen Hollywoodfilm taugen, sie war ein Aufstieg vom nicht ganz ernst genommenen Anfänger und gescheiterten Zweitliga-Trainer zur Spürnase der Nation, den Uli Hoeneß gerne als Nachfolger hätte. Allofs ist seit fünf Jahren ein Schwergewicht der Fußballmanagerszene. Er holte Micoud, er holte Klose, er holte Diego ? der eher als verträumt und mäßig risikofreudige Standort Bremen blühte zu einem Tummelbecken der Stars auf. Doch Allofs? Vorsprung auf die anderen Spürnasen der Liga schmilzt. Das liegt zum einen an Fehlgriffen wie Alberto oder Transfers wie denen von Sanogo oder Tosic. Und es liegt daran, dass andere Manager immer erfolgreicher werden. Zum Beispiel Dietmar Beiersdorfer. Auch der stand in Hamburg in der Kritik. Man hielt ihm Fehleinkäufe wie Ailton oder auch hier Sanogo vor. Doch das ist vorbei. Beiersdorfer hat eine imposante Bilanz vorzuweisen: Er holte für rund zwölf Millionen Euro die Spieler Boulahrouz, van Buyten, van der Vaart und de Jong. Und verkaufte sie für 55 Millionen weiter. Man nennt Beiersdorfer jetzt ?Dukaten-Didi?, auch weil der HSV seinen Umsatz seit 2002 von 66 auf 140 Millionen Euro gesteigert hat. ?Im Vergleich zu Werder hat er die besseren Chancen, sich auf lange Sicht oben zu etablieren?, glaubt Frank Rost.
TOR UND ABWEHR
Werder-Torwart Tim Wiese hat, anders als HSV-Torwart Frank Rost, mit Werder noch keinen Titel geholt. Aber Wiese spielt seit Jahren international, seit neuestem auch in der Nationalelf. Er hat sich entwickelt, ist jetzt kein muskelbepackter Bodybuilder mehr, er redet sich nicht mehr um Kopf und Kragen in Interviews. Er ist auf der Linie weiterhin Deutschlands Bester und macht Fortschritte im Spielverständnis. Er kreist nicht mehr nur um sich selbst. Und so ist es noch gar nicht raus, ob Wiese nicht vielleicht Deutschlands WM-Keeper sein wird. Vor Wiese steht eine Viererkette, die bei Werders risikofreudiger Ausrichtung schnell mal ausgehebelt wird. Innen hat die Kette mit Mertesacker und Naldo fast das Beste, was Deutschland zu bieten hat. Außen hat die Kette das eher nicht. Fritz war lange ein Sorgenkind, Boenisch ist ein Talent, Prödl ist eigentlich ein junger Innenverteidiger, Tosic ist eine Enttäuschung. Beim HSV hat Frank Rost auch mit 35 Jahren nichts von dem Ehrgeiz und Temperament verloren, das man noch aus Bremen kennt. Als Sonntag das Spiel gegen Hannover 96 (2:1) abgepfiffen wurde, rissen alle Hamburger entweder die Arme hoch oder sanken erleichtert zu Boden. Nur Rost war auf 180, er wollte sich noch einen 96er greifen, der kurz vor Schluss Tavares gefoult hatte. Der HSV braucht diesen Rost. Er muss fast jede Woche seine Abwehr umbauen, schickte in dieser Saison schon über 20 verschiedene Formationen aufs Feld, da ist Rost als Rückhalt, Führungsfigur und einzige Konstante gefragt. ?Er ist immer noch einer der besten Torhüter in Europa?, sagt sein Ex-Kollege Kompany von Manchester City.
MITTELFELD
Werder hat Diego. Damit kann außer Bayern in Deutschland niemand mithalten, Bayern hat ja Ribéry. Werder hat zudem noch eines der größten Kreativ-Talente des Landes: Mesut Özil. Auch Aaron Hunt kann ausgezeichnet fummeln. Dazu kommt noch Daniel Jensen, der erstklassige Steilpässe spielen kann. Aber die vier fielen in dieser Saison zu oft aus, oder sie schwankten zu sehr in ihrer Form. Für die restlichen Mittelfeld-Positionen stehen stehen zwar ungemein viele Spieler zur Verfügung, mit Ausnahme von Leitwolf Torsten Frings und Kapitän Frank Baumann aber wenig Qualität. Frings und Baumann sind schon weit über 30. Beim HSV ist das Training stark auf die individuellen Bedürfnisse der Spieler zugeschnitten. Der Trainerstab ist fast doppelt so groß wie der bei Werder. Dass sich das auszahlt, sieht man am besten anhand des Hamburger Mittelfelds. Dort tummelt sich eine Reihe von Spielern, die in den vergangenen Monaten einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht haben: Jansen, Pitroipa, auch Aogo, vor allem Trochowski. Das Hamburger Mittelfeld ist nicht mehr so von einem Spieler abhängig, wie früher von van der Vaart. Es ist auch nicht sonderlich kreativ, so wie die Bremer Diego oder Özil. Aber es rennt und rennt und rennt und rennt.
ANGRIFF
Muss Werder eigentlich der Titel Torfabrik aberkannt werden? Pizarro und Ailton, dann Ailton und Klasnic, dann Klose und Klasnic ? der Sturm war ein Prunkstück. Im Moment genügt aber nur der aus London ausgeliehene Claudio Pizarro den über Jahren immer höher geschraubten Ansprüchen. Daneben floppte Sanogo, entwickelten sich Markus Rosenberg und Hugo Almeida nicht wie erwünscht weiter. Werder sucht Stürmer und muss erstmals nach langer Zeit neidisch nach Hamburg schauen. Zuletzt gab es in Berlin sogar ein Spiel, in dem Werders Angreifer über 90 Minuten nicht eine einzige Chance herausholten. Jahrelang hieß es, der HSV könne keine Stürmer kaufen. Bei Namen wie Ljuboja, Lauth oder Takahara fiel es auch schwer, dieser Einschätzung zu widersprechen. In dieser Saison ist der Angriff des HSV kaum zu halten. Guerrero, Petric und Olic haben zusammen schon 52 Tore geschossen ? in allen drei Wettbewerben. Jeden der drei zeichnet etwas anderes aus, das macht sie so gefährlich. Olic hat eine Pferdelunge, Petric eine hervorragende Technik, Guerrero einen Torjägerinstinkt. Im Sommer muss sich der HSV einen neuen Stürmer suchen, Olic wechselt zu den Bayern. Angst haben die Fans vor dieser Suche aber nicht mehr.
Quelle: Alle Texte geklaut auf werder.de oder aus deren Presseschau entnommen