Die fetten Jahre sind vorbei

Madruk

Big Raushole
Hab hier was schönes bei Yahoo aufgeschnappt. Wollte es euch nicht vorenthalten. Wirklich guter Text.

Topstars im Abseits - verpokert, verzockt, vergessen!


Von: WERNER-JOHANNES MÜLLER

MÜCHEN - Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung. Wenn Stefan Effenberg in diesen Tagen im Sauerland mal beim Babysitten für die Kiddies seiner neuen Lebensgefährtin Claudia Strunz dazu kommt, eine Sportzeitung zu lesen, dann zuckt er zuweilen zusammen. Frechheiten, nichts als Frechheiten, Schadenfreude und Majestätsbeleidigungen quer durch die Branche muß er da registrieren. "437,50 Euro Arbeitlosengeld pro Woche" rechnete das Fachblatt kicker für ihn aus und informierte darüber, daß dem Multi-Millionario Effenberg rein arbeitsrechtlich auch "eine Reinigungstätigkeit zugemutet" werden könne. Der Marktwert des 33 jährige Ex-Bayern-Star verzeichnet mittlerweile einen Kursverfall wie höchstens noch Ron Sommer, der stürzende Herr der T-Aktie. Nichts ist mehr wie gestern. Vorbei sind die fetten Zeiten. Effenberg? Nein, danke, sagt die Bundesliga. Die Branche veralbert den Blonden sogar: "Na, ja, eine Million könnten wir bieten - und ein Auto," ulkte Präsident Dieter Krein von Energie Cottbus, der Rest der Liga winkte gleich ab. Effenberg, über den seine Ex Martina sagt: "Strunzdoof? Das haben Sie gesagt!", hält sich fit in Eigenregie und hofft weiter tapfer, aber völlig unrealistisch auf den "idealen Klub, wo alles paßt!" So reiht sich der 33 jährige joblose "Tiger" also ein in die Schlange von 200 Bundesligaprofis, die im Moment arbeitslos sind. Die Stars, die im Dezember 1995 durch das Bosman-Urteil zu Bossen am Ball wurden, Gehälter und Ablösemillionen nach eigenem Gusto bestimmten und die Klubs gnadenlos gegeneinander ausspielten, sie müssen nach der Kirch-TV-Krise wieder kleinere Brötchen backen. Nun sind die Vereine und Funktionäre wieder voll am Drücker. - Gazetta-Report vor dem Bundesliga-Start 2002/03.

Gedankt haben sie es ihm nie: Jean-Marc Bosman. Dabei verdankten sie ihm seit 1995 alles. Doch seine europäischen Profi-Kollegen sahen nur sich selbst. Das eigene Portemonnaie. "Unterstützung," erzählt Bosman im Gespräch mit Gazetta24, "bekam ich fast keine von den Spielern, die ich reich gemacht habe! Nur die Holländer, die haben mir damals geholfen, als ich keinen Franc mehr besaß."

Die Anwaltskosten hatten alles aufgefressen, was der damals 25 jährige belgische Zweitliga-Profi angespart hatte. "Die holländische Nationalelf hat erst intern für mich gesammelt und dann noch ein Benefiz-Länderspiel gemacht, von dem ich etwa 85 000 Mark erhielt," berichtet Bosman im Rückblick.

Es ging ihm finanziell so dreckig, daß er seine Wohnung verlor und monatelang in der Garage seiner Eltern leben mußte. Der Mann, der seine Berufskollegen zu Millionären machte, war am Ende der arme Hund. "Aus Deutschland, aus Italien und England kam nichts, gar nichts, rien!" sagt Bosman.

Keine müde Mark, keine Lira, keine Pesete! Exakt aus den Ländern, wo sich die ablösefreien Spieler der Nach-Bosman-Ära M
illionen und Abermillionen fortan selbst in die Taschen steckten. "Nicht ein Franc."

Bosmans leidenschaftlicher Kampf für Berufs - und Ablösefreiheit hatte fatale private Folgen. Seine Ehe scheiterte, mit gelegentlichen Auftritten im TV, einem Buch über sein Leben und mit dem Honorar einer Fernseh-Docu seines Falles (im doppelten Sinne), hielt er sich mühsam längere Zeit über Wasser, während für die anderen Kicker die Geldquellen sprudelten wie niemals zuvor in der Geschichte des Profi-Fußballs.

Warum wir seine Geschichte noch einmal erzählen? Nun, sie ist der Kontrapunkt zu einem Pandämonium der Gier, die in den letzten Jahren dem Fußballgeschäft immensen Schaden zugefügt hat.

Heute, Jahre später, schlägt das Pendel jedoch wieder aus in die andere Richtung. Nicht, weil alle inzwischen vernünftiger geworden wären, nein, ausschließlich weil das Spiel-Geld versickerte.

70 Millionen Euro weniger TV-Einnahmen für 2002/02, gar 170 Millionen Euro weniger für 2003/04, das sind die nüchternen Zahlen, welche die Branche nun in der deutschen Bundesliga ernüchterten. Pay-TV und digitale TV-Plattformen sind europaweit (außer in England) nicht der Hit geworden, auf den alle hofften.

Vorallem in Deutschland, Italien und Spanien flossen die Millionen nicht wie prognostiziert. Ruinierten sogar einzelne TV-Unternehmen wir die KirchGruppe oder "Via digital" in Spanien, "Tele pui" und "Stream" von Murdoch/Berlusconi auf dem "Stiefel".

Folge: Die fetten TV-Lizenz-Zeiten sind vorüber, bevor sie überhaupt begannen.

Fatal: Die Klubs hatten sie bereits langfristig eingeplant und in die Spielerverträge eingearbeitet. Geld, das nicht mehr kommt oder nur noch partiell.

Spätfolge: Es fehlen der Bundesliga schon jetzt 20 Prozent der geplanten Einnahmen aus diesem Sektor. Und Steigerungsraten wird es so schnell auch nicht mehr geben.

Das bedeutet: Schluß mit dem Schlaraffenland überbezahlter Stars!

Schaut man in diesen Tagen vor dem Start in die neue Saison 2002/03 die berühmten Listen "Zugänge/Abgänge" der Bundesliga näher an, fällt auf, daß zweitere Kategorie enorm zugenommen hat, mit dem verräterischen Klammerhinweis: "alle noch unbekannt" - "alle ohne Verein".

"Der Markt ist tot," sagt Spielerberater Wolfgang Fahrian. 98 Millionen Euro haben die Bundesligaklubs diesmal "nur" in neue Spieler investiert, runde zwei Drittel davon auch nur die Topvereine Dortmund, Bayern, Bayer, Hertha. Beim Rest fällt der Blick auf Rubriken wie: "eigene Jugend" - "ablösefrei von..." oder "eigene Amateure".

Ja, Vernunft ist eingekehrt, in ersten zaghaften Schritten. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe...

Sollen wir das begrüßen? Sicher. Siegte der deutsche Nationalelfs-Fußball bei der WM 2002 schon überraschend mit Disziplin, Kampf und Einsatz, mit einer neuen Bescheidenheit der Ansprüche und mannschaftlicher Geschlossenheit, so kann eine neue Sachlichkeit und Demut der Bundesliga nur gut tun.

Die Fans honorieren das auf alle Fälle. Bereits kratzen die Dauerkarten-Abverkäufe für die neue Saison die Rekordmarke von 300 000.

Und es ist durchaus auch
noch nicht zu spontanen Hilfs-Demos für ausgemusterte Ex-Hauptdarsteller wie Effenberg, Sforza, Micky Stevic oder Paulo Rink gekommen, die sich verpokerten, verzockten und damit selbst ins Abseits manövrierten.

Yesterdays Heros. Großverdiener, die nicht das Gespür für veränderte Märkte besaßen. Die noch im Frühjahr, Wochen vor der WM und dem dramatischen Tiefpunkt der Kirch-Krise, von neuen, noch lukrativeren Verträgen träumten und die Klubs hinhielten.

Jetzt sind sie plötzlich die Ausgeschmierten.

Ja, gut, er habe "nicht erwartet, daß das so kommt auf dem Fußball-Markt," gab Dortmunds Stevic freimütig zu, "diese Entwicklung hat mich überrascht." Er schlug ein gutes Angebot von Kaiserslautern aus, hoffte auf ein noch besseres Gesamtpaket woanders - und mußte am Ende bei seinen alten "Löwen" in München anklopfen. Doch die waren schon andersweitig versorgt...

Auch Paulo Rinko träumte von noch fetteren Pfründen und grast nun einen mageren Weide ab. Auch ihn erwischte die Kirch-Krise eiskalt. Im März offerierte ihm der Club noch ein "wirklich gutes" Angebot, Rink pokerte, hielt Nürnberg hin und hoffte insgeheim auf das Traumangebot. Das aber kam nicht mehr, als die Krise da war. Rink jongliert nun zuhause in Sao Paulo ein paar Bällchen, weiß aber inzwischen, daß er gewaltige Abstriche machen muß, um wieder lukrativ unterzukommen.

Sforza? Ihn wollen die Bayern sogar verschenken, sprich ohne Ablöse aus dem noch bis 2003 laufenden Kontrakt, ziehen lassen. Allein, Sforzas stolzes Gehalt von runden drei Mio Euro pro Saison schreckt bisher alle Interessenten ab.

Das Pendel schlägt brutal zurück. "Ja, da handelt es sich in der Tat um eine stille Revolution", erklärt Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge leicht vergnügt: "Die Macht ist wieder bei uns, auf der Seite der Klubs angekommen, die Spieler haben ihre Macht geradezu dramatisch verloren! Das hat bisher noch keiner so richtig und in der vollen Tragweite realisiert in der Öffentlichkeit - wir Klubleute aber schon!"

Kollege Karl-Heinz Wildmoser jun. vom TSV 1860 München sagt: "Wir brauchen Idole, keine Söldner mehr im Fußball! Die neue Entwicklung ist eine große Chance für die Vereine, sich neu zu positionieren - und die werden wir nützen!" - Wildmoser im Detail: "Bisher haben die Spieler und ihre Berater die Macht gehabt. Die Klubs mußten zähneknirschend ein ungesundes, sehr starkes 70-Prozent-Übergewicht im Garantie-Sektor der Spielerverträge hinnehmen. Hast du das nicht gemacht, ging er eben anderswo hin."

Kann sein, daß "er", der Herr Star, nun wirklich woanders hingehen muß: Zum Arbeitsamt, Nummer ziehen, Personenbogen ausfüllen, dann dem ordentlichen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. 437 Euro fuffzig pro Woche...wie Effe?

Christian Brand, ausgemusterter Profi bei Hansa Rostock, noch einer der nachdenklicheren Typen, lächelt gequält, als er sagt: "Vielleicht täte diese Erfahrung einigen meiner Kollegen auch mal ganz gut!"

Muß ja alles nicht ganz schlimm enden!

Jean-Marc Bosman, dies abschließend, hat sich aus der elterlichen Garage wieder herausgearbeitet, ist heute ein ordentlicher
Mittelklasseverdiener in einem ordentlichen Job der PR-Branche und konnte sich inzwischen sogar einen ganz persönlichen Traum erfüllen: einen silberfarbenen Porsche, geleast.

Die Effenbergs haben ihren Ferrari gerade verkauft.

Die Armen.




(Gazetta24.de)
 
Netter Text, aber mal ehrlich ,der Effenberg meldet sich mit seiner Kohle nen Gewerbe an, zieht ne große Sport-Artikel-Firma ausm Boden und ist nicht mehr arbeitslos ;)

Bzw. ich denke mal er ist nicht arbeitslos, ich könnte mir vorstellen das er nebenbei ne feste Einnahmequelle hat ;)
 
Es geht ja nicht nur um den Effenberg.
Ausserdem war das mit der "Arbeitslosigkeit" eher sarkastisch...:rolleyes:
 
Is mir schon klar das es nicht nur um den TIIIIISCHA ging :D

Und das andere is mir auch klar.. ich bin nämlich kanz chön chlau :zahnlücke
 
Bei einigen Frage ich mich schon, für wie gut sie sich eigentlich einschätzen. Stevic ist seid Jahren nur Bankdrücker und wartet auf bessere Angebote? Der soll froh sein überhaupt eins bekommen zu haben. Das selbe gilt für Rink
 
Also wenn Bierhoff nen neuen Verein findet, dann findet Effe wohl auch einen oder? :rolleyes:
 
Also selbst Bierhoff halte ich für besser als Effe :D

Den kannste wenigstens mal in den Strafraum stellen, und mit ein bisserl Glück wird er angeschossen. Während der Stehgeiger Effe durch seinen Antifussball, nur die Abwehr in Schwierigkeiten bringt
 
Stehgeiger :lol:
Ich denke mal Bayern spielt dieses Jahr wesentlich attraktiveren Fußball... haben wir letztes Jahr ohne Effe auch getan... das erste Jahr mit Effe war zwar auch attraktiv, das lag aber wohl auch daran, dass er noch nicht diese Lobby beim FCB hatte ;)
 
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