Visions of Mana (Xbox Series X)
Ein weiteres Square Enix AA-Spiel liegt nun nach guten 26 Spielstunden bei den Akten. Dass das Spiel eher verhalten angenommen wurde, überrascht mich nicht, denn das quietschbunte Action-RPG hat meiner Meinung nach nicht viel mit dem Klassiker "Secret of Mana" zu tun. Zwar gibt es Versatzstücke wie den Manabaum, das Ringmenü, Drache Flammie, die Elementargeister, am Ende fliegen gar die Flamingos am großen Manabaum vorbei - doch es fehlt etwas das Mystische und die Melancholie, die die Reihe für mich bekannt gemacht haben. Beim SNES-Teil hatte man wirklich den Eindruck einer bedrohten Welt: Die Manafestung schwebte unheilverkündend am Himmel, der Manadrache galt als Weltenverschlinger, Charaktere wie die Hexe wirkten seinerzeit angsteinflößend und der Spieler musste herausfinden, was in dieser Welt überhaupt los ist. Grafik und Sound untermalten dies eindrucksvoll. Ich erinnere mich vor allem an die epische Mucke, wenn man mit Drache Flammie gegen Ende über die Mode 7-Karte flog, um die Festung schlussendlich zu erreichen.
Bei "Visions of Mana" erlebt man eher eine typische Heldenreise mit redseligen NPCs. Gemeinsam mit Seelenwächter Val möchte man die unterwegs aufgesammelten Geweihten zum Manabaum bringen, wo sie sich der Göttin opfern sollen, um die Welt zu erhalten. Auf der Reise gehen natürlich einige Dinge schief und es stellt sich heraus, dass diese Opfer nur den Leidensprozess der Göttin verlängern. In Wahrheit möchte Antagonist Daelophos, der lange als versiegelt galt, die Göttin töten, um den Tod seiner Geliebten zu rächen. Das wars im Grunde.
Es kämpfen immer drei Charaktere gleichzeitig, wovon zwei vom Computer gesteuert werden. Dies funktioniert mal mehr, mal weniger gut. Multiplayer gibts nicht. Gegner trifft man grundsätzlich in Gruppen und bekämpft sie in einer Art Arena. Das wirkt sehr gekünstelt, denn man läuft durch die weitläufigen Landschaften und stößt von einer Gegnergruppe auf die nächste. Hier spielt sich "Visions of Mana" recht ähnlich zu "Tales of Arise", das ich ja aktuell mit meiner Spielegruppe durchspiele. Überall im Gelände finden sich Schatztruhen und Sammelgegenstände. Da kommt schon mal etwas FOMO auf, aber alles abzuklappern und einzusammeln, wäre eine kleine Lebensaufgabe. Um zum letzten Boss zu kommen, gabs zur Krönung Backtracking und Boss-Rush. Lahm.
Fazit: Habs auf "leicht" gestellt und da spielt sich das Action-RPG einfach runter und man kann nebenbei locker Youtubevideos laufen lassen. Animationen und Grafik sind nett gemacht, nur eben quietschbunt; insgesamt wirkt das Design arg kindlich und mir wird nicht klar, welche Zielgruppe das Spiel nun ansprechen soll. Für Jugendliche von heute ist es zu sperrig, für Kids zu langweilig und für Leute in unserem Alter zu soft. War okay, aber ich hätte nichts verpasst, wenn ich das Game links liegen gelassen hätte.